Allgemeine Erläuterungen zum Thema Überschuldung
2012-02-03 10:37 von admin
Laut Insolvenzordnung (InsO) liegt eine Überschuldung vor, wenn das Vermögen des Schuldners dessen Verbindlichkeiten nicht mehr deckt. Vom Vermögen umfasst sind dabei sowohl die liquiden Mittel (Geld) als auch Sachvermögen (Immobilien, Autos etc.).
Um von einer Überschuldung zu sprechen, müssen also nicht zwangsläufig hohe Schulden bestehen. Bei einem Schuldner mit wenig Vermögen genügen bereits "kleine" Verbindlichkeiten, um ihn zu verschulden - sofern sein Eigentum nicht ausreicht, um diese Schulden zu zahlen. Andererseits ist jemand, der zwar wenig finanzielles Vermögen hat, dafür aber beispielsweise Eigentümer mehrerer Häuser ist, per Definition nicht zwangsläufig überschuldet, auch wenn sein Barvermögen nicht genügt, um die Verbindlichkeiten zu decken.
Gründe für eine Überschuldung gibt es viele, und diese müssen nicht immer in einem unangepassten oder leichtsinnigen Konsumverhalten der Betroffenen liegen, wie die Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen: In den dortigen Statistiken wurde von beinahe 30 % der Betroffenen als Hauptgrund für die Überschuldung Arbeitslosigkeit angegeben. Weitere häufig genannte Gründe waren Trennung/Scheidung, Erkrankung, gescheiterte Selbstständigkeit oder Immobilienfinanzierung.
Immer wieder spielt aber auch unangepasstes Konsumverhalten eine große Rolle: Kunden, die eigentlich knapp bei Kasse sind, lassen sich durch Angebote der Wirtschaft verlocken. In fast jedem Geschäft werden Ratenkredite angeboten oder mit Aussagen wie "Kaufen Sie jetzt - zahlen Sie erst in drei Monaten" geworben. Oftmals leisten die Betroffenen mehrere Käufe auf Ratenzahlung und verlieren schlichtweg den Überblick, wie hoch die Summe der gesamten Raten ist und welche Einnahmen diesen Ausgaben gegenüberstehen. Kommt dann noch ein unvorhergesehenes Ereignis hinzu, ist es häufig nicht mehr möglich, die Zahlungsverpflichtungen aus den Krediten noch zu erfüllen.
2011 waren 9,38 % aller über 18 Jahre Deutschen überschuldet. Damit ist die Zahl zwar um 1,3 % im Vergleich zum Vorjahr gesunken, dennoch ist sie alarmierend hoch. Besonders kritisch ist die Situation bei jungen Leuten, die in der Gruppe der Verschuldeten mehr als ein Viertel ausmachen.
Überschuldung ist ein Problem, das sich im Alltag drastisch bemerkbar macht: Möchte jemand trotz Überschuldung einen neuen Handyvertrag abschließen, wird das von den Mobilfunkanbietern oft mit dem Vermerk, dass eine entsprechende Bonität nicht vorhanden sei, abgelehnt. Genau verhält es sich mit Kreditanträgen, die ebenso negativ beschieden werden.
Oft hilft nur eins: eisern sparen, um die Schulden wieder in den Griff zu bekommen. Ist das nicht möglich, bleibt als letzter Ausweg ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
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